Der lange Weg zu mir selbst

Monat: Januar 2023

Wer bin ich und um was geht es hier?

Ich heiße Sylvie, bin 1968 geboren und eine relativ glückliche Frau.

Aber das war leider nicht immer so. Bis 2016, also bis ich knapp 48 Jahre alt war, kannten mich die Leute noch als Mann mit dem Namen René.

Ja, ich habe einen transsexuellen Hintergrund und bin froh diesen Weg gegangen zu sein und ein glückliches Familienleben zu führen.

Ich weiß, bei dem einen oder anderen stellen sich jetzt die Nackenhaare auf, weil er nichts mit dem Thema anfangen kann.
Allerdings kenne ich viele, für die das Thema völlig absurd war und es jetzt trotzdem verstehen können.

Zu meiner Familie gehören meine Tochter (geb. 2012) und meine Frau, mit der ich seit 2020 verheiratet bin sowie ein kleiner Hund und zwei Katzen.

Von Beruf bin ich Digitalisation-Managerin und im administrativen IT-Bereich tätig.

Mein Lebenslauf ist relativ lang, weswegen er hier einen eigenen Bereich bekommt. Ein Leben mit vielen Höhen und Tiefen und an manchen Stellen so unglaublich, dass man meinen könnte es wäre erfunden.

Es gibt für mich mehrere Gründe diese Seite zu erstellen, zum einen macht es mir Spaß zu schreiben, ein weiterer ist etwas Aufklärungsarbeit für dieses Thema und nicht zuletzt vielleicht etwas Hilfe und Unterstützung für andere, die noch ganz am Anfang ihres Weges stehen.

Daher werde ich die Seite auch in drei Hauptbereiche teilen.

  • Mein Leben
  • Meine Tipps und Erfahrungen

Eigentlich schien alles am Anfang ganz normal, ich wurde als Junge (Einzelkind) geboren, hatte zwei tolle Eltern und wuchs in einer sehr harmonischen Familie auf.

Relativ früh, so ca. mit 7 Jahren, habe ich aber die ersten Anzeichen bemerkt, dass bei mir irgendwas nicht stimmt. Ich bin zwar ein Junge, fühl mich aber nicht so und ich beneide die Mädchen dafür, dass sie Mädchen sind. 

Es waren die 70ger, wir wohnten auf einem kleinen ziemlich katholischen Dorf in der Oberpfalz (Bayern) und sowas wie Internet um sich zu informieren gab es nicht. Damals war es ja schon ein Drama wenn irgendwo der Verdacht war, es könnte jemand schwul sein.

Das einzige was ich damals über das Thema wusste war, dass es eine Sängerin gab namens Amanda Lear, von der alle behaupteten sie wäre mal ein Mann gewesen. Zu der Zeit eine völlig absurde Vorstellung und doch fanden viele sie total toll (ich übrigens auch).

Die Phasen in denen ich mir sehnlichst wünschte ein Mädchen bzw. Frau zu sein und dann wieder ich bin halt ein Kerl kamen und gingen immer wieder, mal länger mal kürzer, mal stärker und mal schwächer.

Ich war halt mal als Mann geboren und versuchte das Beste daraus zu machen was mir mal mehr oder weniger gut gelang, war zwei mal verheiratet, habe relativ spät mit 43 noch eine Tochter bekommen, bin einmal geschieden und einmal verwitwet.

Mein Outing und dass ich seitdem als Frau lebe hatte ich sehr spät mit 47 Jahren und es war das Beste was ich machen konnte. Und ja besser spät als nie.

Auf den nächsten Seiten gehe ich auf die einzelnen Punkte in meinem Leben detaillierter ein.

Vorwort zum Thema Toleranz

Aber bevor ich zum eigentlichen Thema komme möchte ich noch etwas klarstellen.

Nicht jeder wird mit dieser Seite etwas anfangen können und schon gar nicht meinen Weg verstehen können.

Das muss auch nicht sein, jeder hat seine eigene Meinung und das ist gut so.

Aktuell wird auf allen Kanälen soviel über Toleranz geredet und manchmal habe ich den Eindruck, dass da wo am meisten danach geschrien wird, am wenigsten Toleranz vorhanden ist.

Auch ich kann viele Themen oder was wer macht nicht unbedingt verstehen, aber ich bemühe mich es zu akzeptieren und zu tolerieren, was auch mir nicht immer zu 100% gelingt. Es gibt auch Themen, zu denen ich ganz klar meine Meinung äußere, weil es mir gegen den Strich geht (wird man auch hier evtl. das eine oder andere mal lesen)

Für mich bedeutet Toleranz, dass solange ich niemand anderem schade, es völlig egal ist was ich mache, man kann es toll oder total bescheuert finden, aber niemand sollte wegen seinem Weg ausgegrenzt, angegriffen oder beleidigt werden.

Toleranz bedeutet für mich aber auch, dass ich nicht erzwingen sollte, dass jemand mein tun verstehen oder gut finden muss.

Mein Motto „leben und leben lassen“.

So aber jetzt geht es dann mit dem eigentlich Thema los.